Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 2

AirBnB für Anfänger. (mit Gabriel De Sønar)
Wir hatten unser erstes AirBnB direkt an der Gongdoek Station in Seoul, ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof. Unsere Gastgeberin war Lilly, die in Wahrheit wohl einen äusserst typisch koreanischen Namen trägt, sich aber intenational einfachheitshalber lieber Lilly nennt. (Random fact: Auch die Chinesen suchen sich jeweils noch einen englischen Vornamen aus, vor allem dann, wenn sie mit dem Rest der Welt zusammen arbeiten.) Da wir vor unserer Reise rätselten ob diese Wohnung ein Fake und Lilly ein alter, behaarter, dicker Mann ist, war unser Anfang etwas schwer. Das Appartment war gerade mal ein Monat online als wir buchten, hatte vier äusserst positive Bewertungen, zwei davon auf Koreanisch, dreien gab Lilly eine äusserst schleimige Bewertung zurück und im Titel stand, dass man lediglich 30 Sekunden zum Ubahn-Eingang hätte, die Adresse wurde bei Google nicht gefunden und die Fotos könnten gerade zu auch ein hervorragendes Rendering sein.
Wir fanden die Adresse dann aber in echt, war tatsächlich in Stolpernähe, und gingen drinnen zum Portier, dieser zeigte uns den Lift und wir suchten die Wohnung auf. Per Mail hatte ich einen Zahlencode bekommen, den wir vor der Anreise noch ändern liessen, da er 77777777 lautete und uns das erneut komisch vorkam. Da standen wir mit unseren beiden riesigen Taschen vor der Tür 430, schauten einander an, dann die Tür, wieder einander, dann alle anderen Türen im Gang und wieder einander. Echt jetzt? Alle anderen Türen waren mit einem drehbaren Zahlenschloss ausgestattet, nur unsere nicht. Da war eine schwarze Fläche überm Griff mit einem kleinen Kartensymbol welches sogar noch mit „card“ beschriftet war. „Also doch ein Fake – Scheiss Lilly!“
„Nur keine Panik jetzt, wir sind müde von der Reise, es ist zum Glück erst Mittag und wahrscheinlich sind wir einfach nur zu blöd“, beruhige ich mich selbst, nimm meine Tasche am Griff und wir schlendern etwas verloren und vorallem wortlos zurück zum Lift. Wir beide fragen uns wahrscheinlich genau die selben Fragen und erst als die Lifttür schliesst sprechen wir einige davon laut aus: „Und jetzt? Zum Portier?“ „Briefkasten? Vielleicht ist die Karte da?“ „Ansonsten was essen mit WLAN und der doofen Lilly schreiben?“

Im Briefkasten war nichts ausser Post die nicht an uns adressiert war. Der Portier zeigte mit den Armen ein X, als wir ihn auf englisch nach ner Karte für das Appartment von Lilly fragten. Wir lachten über das X und er rief einen zweiten Security herbei. Dieser sprach ein kleines Bisschen Englisch und wollte von uns den Zimmercode wissen. Als wir nach 4 stellen weiter 4 weitere aufzählten, machte auch er mit seinen Armen ein X. Er streckte 4 Finger in die Luft und liess uns erahnen, dass da 4 Ziffern zu viel dran waren. Na super. Aber eigentlich suchen wir ja sowieso eine Karte. Hat Lilly keine hinterlegt?
Plötzlich springt ein Securty raus und kommt mit einer Frau koreanisch diskutierend zurück. Sie spricht beinahe fliessend Englisch, zumindest verglichen mit den andern zwei. Ich zeige ihr den Beschrieb von Lilly. Sie versteht auch nicht, vorallem dann nicht, als wir ihr sagten, dass es kein Zahlenschloss gibt. Sie nimmt uns mit in ihr angrenzendes Restaurant, WLAN und ein Glas Wasser – endlich. Ich schreib Lilly, etwas wütend und genervt mitlerweile. Diese fragt ganz cool, ob wir vor der Tür stehen? Wir sollen die Hand ein, zwei Sekunden auf die schwarze Fläche halten, dann erscheine ein Touchscreen-Zahlenschloss. Wir waren definitiv zu blöd, danke Lilly du hübsches koreanisches Mädchen ohne Wampe oder Brustbehaarung.

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