Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 3

Nach ein paar Tagen in Seoul sind wir weiter nach Busan gereist, welches auch das Hamburg von Korea genannt wird. Naja, wer Hamburg liebt und mit damit im Hinterkopf nach Busan reist, ist dann gänzlich enttäuscht. Busan ist komisch. Oder wir haben es einfach nicht verstanden. Aber wir sind dort, gefühlt, mehr U-Bahn gefahren als wir geschlafen haben. Einerseits, weil die Strecken zwischen den Stadtteilen so lang sind und andererseits weil wir die Viertel nicht kannten wie in Seoul. Aber Busan war dennoch sehr interessant, vor allem weil es weniger amerikanisch und deshalb auch weniger touristisch war. Fast jedes mal auf längeren U-Bahnstrecken wurden wir angesprochen und immer gefragt woher wir sind und ob wir verheiratet sind. Wie man als Freunde, Männlein und Weiblein verreisen und kein Paar sein kann, war den Meisten ein unbeschreibliches Rätsel. So war da zum Beispiel ein älteres Päärchen bei welchem der Herr laut lachte als er das hörte. „Haha! Just friends? Me and my wife are just friends…Since 36 years!!“
An einem Tag fuhren wir ins Culture Village am Rande der Stadt. Es war warm und stickig, also trug ich ein Trägershirt mit einem leichten Kurzarmjäckli. Dies tat ich ein Bisschen meiner Tattoos wegen, doch half es leider nichts, als ich mich in der vollen U-Bahn an der Deckenstange halten musste. Vor mir sass eine alte Frau, eine der wenigen, die ihr Haar ungefärbt, grau trug. Sie musterte mich, dann Gabriel, dann wieder mich. Plötzlich zeigte sie auf meinen tättowierten Arm, so nah, dass sie ihn fast anfasste. Sowas hasse ich ja. Sie verzerrte ihr Gesicht und hämmerte mit der einen Hand auf ihren anderen Unterarm. Ein „Aiaiaiaiai“ fährt ihr aus dem Mund und sie schaut mich fragend an: „Hurt? Aiaiai!“ Ihr Gesicht wird beinahe weinerlich. Ich lache und mich stört es plötzöich nicht mehr, dass sie mich fast abgefasst hätte. „No no, not that much, only this part.“ Ich zeige auf die schwarz schraffierte Fläche und grinse die Dame an. Sie lächelt zurück und mustert uns weiter. Von Kopf bis Fuss. „Where from?“ Fragt sie und zeigt auf uns beide. „Married?“ Und schliesslich noch: „Where going?“
Wir versuchen ihr zu erklären, wohin wir gehen, Culture Village sagt ihr nichts, farbige Häuser auch nicht. Drei Mädchen die neben ihr sitzen, bekommen unser „Gespräch“ mit und suchen es auf ihrem Smartphone und zeigen es ihr. „Aaaaaaah“, sie strahlt uns an und in dem Selben Moment muss ihr entfallen sein, dass wir kein Korenisch verstehen, oder ihr sind die englischen Wörter ausgegangen. Auf jeden Fall zeigte sie nach unten und meinte irgendwas auf koresnisch von wegen wir sollen nicht nach unten schauen, oder das verstanden wir aus ihren Fuchteleien. In die Weite, sie zeichnete einen riesen grossen Bogen in die Luft und strahlte über alle sieben Backen wärend sie ihre Hand an ihre Stirn hielt, als ob sie geblendet würde. Wir konnten nicht anders als zurück zu strahlen, es war alles unfreiwillig komisch. Als wir dann ausstiegen uns uns nickend mit Knicks vor ihr verabschiedeten, packte sie mich beim weggehen am Arm und sagte irgendwas auf Koreanisch. Legte ihre Hand aufs Herz und wikte uns, wahrscheinlich glückwünschend, zu. Wir wissen es nicht, aber sie war direkt wie eine eigene koreanische Oma.

 

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