Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 4

Nach unserem Aufenthalt in Busan reisten wir nochmals zurück nach Seoul. Nun war uns die Stadt bekannt und es fühlte sich ein Bisschen an wie heimkommen. Wir wollten diesmal aber auch noch etwas von der Natur sehen. Also suchte ich eine Wanderung heraus die nicht all zu lang war, 2.5 km, eigentlich eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Aber die Dauer war mit 3h angegeben, dass diese Wanderung einen Haken hatte, hätte mir da schon auffallen sollen.
Der Trail war in einem, vom Militär überwachten Gebiet, da er entlang der alten Stadtmauer führte. Nachdem wir uns mit unserem Pass in einem Office registriert, einen Fackel unterzeichnet, ein Band mit Nummer umgehängt bekommen hatten und noch kurz das Klo aufsuchten, ging es los. Eine Treppenstufe nach der anderen. St.Galler Treppen sind ein Witz dagegen. Erst fanden wirs noch lustig wie steil und ungleichmässig hoch die Tritte waren und wie fertig wir danach wohl sind. Aber als sie dann kein Ende nahmen und wir mehr schwitzten als in der Sauna am Abend davor (davon folgt noch eine Geschichte), läuteten wir beide beim ersten Aussichtspunkt eine Pause ein. Dieser wurde, wie jeder Rastplatz, bewacht von einem, bis zwei in „zivil“-gekleideten Soldaten. Sie hatten einen Sonnenhut auf, wie damals Eminem in den 90ern, nur mit einer Schnur um den Hals wie ein Kleinkind. Dazu Funktionswäsche in grau, denn auch sie kamen hier nur zu Fuss hin und wieder weg. Sie bewachten die Plätze, denn es war so einiges verboten. Auf der Treppe durfte nicht stehen geblieben werden, da der Weg zu schmal ist, dass man aneinander vorbei kommt. Auch durfte man keinen Alkohol trinken. Wer will das schon, lachten wir, ist doch ohnehin schon viel zu streng, doch es gab tatsächlich ältere Herren, die zu ihrem Picknick den Soju und Bier auspackten.
Fotos durfte man nur in die freigegeben Richtungen machen und auch nur an den Aussichtspunkten und nicht unterwegs. Richtung Seoul war eigentlich immer verboten, wahrscheinlich weil man da auf die Mauer zurück blicken konnte. Wir allerdings, waren ständig unter Beobachtung von unzähligen Kameras, auf dem Weg, sowie an den Rastplätzen.
Wir wanderten weiter bis ans Ende der Steigung, wo wir die Sicht über ganz Seoul hatten. Wir assen da, mit hochroten Köpfen und komplett nass geschwitzt einen Apfel, als ein junger Herr mit einem älteren dazu stiess. Sie machten Fotos wo sie durften und kamen dann auf uns zu und fragten ob wir ein Foto machen würden? Ich dachte von ihnen mit schönem Hintergrund und streckte ihm die Hand hin um das Handy zu nehmen. „Nein, nein, wir mit euch auf einem Bild.“, Meinte er in English und streckte dem Bewacher das Handy hin. Achso, na klar, von verschwitzen und durchnässten Europäern muss man ja auch unbedingt ein Bild haben. Wir stellten uns neben ihnen auf und lächelten von alleine. Noch eins, noch eins, aber diesmal mit „love pose“. Ähm, ok, was soll das sein? Der junge Mann zeigte seine Hände mit der Innenfläche nach oben und die Daumen und Zeigefinger so übereinander gelegt, dass die Spitzen kleine Herzen formten. Wir taten das selbe und versuchten angestrengt beide Hände so zu lassen, wärend uns der Militärler gekonnt in Hoch- und Querformat ablichtete. Wir bedankten uns alle für seinen Einsatz und die anderen Zwei wollten jetzt noch wissen wo wir eigentlich her sind. Aus der Schweiz? Oh wirklich? Stolz zeigte uns der jüngere seine Uhr: „Swiss watch, swiss watch!“ Wir lächelten, etwas zwischen mittleidig und gerührt, denn seine Uhr hatte ein rotes Ziffernblatt mit einem kleinen weissen Kreuz in der Mitte und das Band war geziert mit Edelweissen. Wahrscheinlich hatte er Sie auf einem Berg gekauft im Souveniershop. Aber das weiss hier ja keiner, immerhin ist sie offensichtlich aus der Schweiz.
Leider hatten wir, vor lauter Rührung total verschwitzt auch von ihnen ein Bild zu machen.

 

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