Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 5

Von Anfang an war klar, irgendwann werden wir hier in Korea noch die Sauna besuchen. Erstens, weil es hier kaum was kostet und zweitens, weil’s doch irgendiwe zu einem gelungen Urlaub in Asien dazu gehört. Wir waren zurück in Seoul und machten uns auf die Suche nach einem guten Spa. Wir fragten unseren Host, der selbst geht nicht ins Spa und hat uns das nächste, gegenüber in einer Mal empfohlen. Nur weil’s nah ist, muss es noch lange nicht gut sein. Also suchten wir weiter. Die Trip Adviser Berichte waren teils miserabel bis schon wieder so lustig, dass es ein Versuch Wert wäre.
Zudem muss ich euch vielleicht noch sagen, dass mir mein Kollege Gabriel De Sønar dieses Video zeigte:
https://www.youtube.com/watch?v=k70xBg8en-4
Wir fanden das so lustig, dass wir unbedingt ein authentisch koreanisches Spa besuchen wollten, bis wir irgendwann eines fanden. Es sah auf den Bildern etwas herunter gekommen aus, aber bat alles, was wir wünschten inkl. body scrub. Wir fuhren also dahin, umgerechnet 15.- CHF war der Eintritt am Abend und man konnte so lange drin verweilen wie man wollte. Da Männlein und Weiblein nach dem bezahlen getrennt werden, machten wir aus, dass wir uns in 10min in der Begegnungszone treffen.
Als ich bei den Damen herein spazierte, kam schon das erste Schildkrötchen (alte Leute, nannten wir so) mit wehenden Armen auf mich zugerannt und schrie mir irgendwas auf koranisch entgegen. Ich blieb verdutzt stehen und schaute sie fragend an. Sie zeigte auf meine Füsse und zeigte ein X mit ihren Armen. Kaum hatte ich die Schuhe ausgezogen waren sie in einem kleinen Schliessfach verstaut und das Schildkrötchen drückte mir den Schlüssel in die Hand und führte mich zu einem Tresen. Dort standen zwei andere Schildkrötchen und diskutierten miteinander. Die eine nahm beiläufig meinen Schlüssel, tauschte ihn gegen einen anderen aus und reichte mir eine Hose, ein Shirt und zwei kleine Tücher und zeigte in die Richtung von grossen Schliessfächern. Ich suchte meins und zog mich aus und schlüpfte in die geliehenen Kleider. Dann machte ich mich auf die Suche nach der Begegnungszone. Dort war allerdings kein Gabriel also setzte ich mich und wartete. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging ich zurück und holte mein Handy, WLAN vorhanden, und schrieb ihm wo er denn bleibt. Was ich nicht beachtet hatte, ich hatte den Flugmodus drin, braucht mich ja keiner anzurufen. Tja. Gabriel kam nicht, also entschied ich ganz egoistisch die Bäder vor zu ziehen. Vielleicht hatte ich ihn ja falsch verstanden.
Ich ging direkt mit den Kleidern nach unten, drinnen waren alle nackt. Ok, denk ich mir und zieh mich aus und quetsche meine Sachen in ein kleines Fach im Regal. Da waren keine anderen Kleider drin, nun ja, egal – Hauptsache ich bin jetzt nackt wie alle andern Frauen. Es hatte verschiedene Bäder, 35° / 45° und mehr, dann ein kaltes, eines mit Sprudel, ein Wasserfall zum drunter sitzen, und Saunen eine heiss, die andere heisser. In der Sauna musste man sich selber mit Salz einreiben. Ich hielt es da drin jeweils nur ein paar Minuten aus, danach besuchte ich jeweils das kalte Wasser. Es gab auch Duschen, in Kreisen angeordnet und keine einzige war irgendwie abgeschirmt vom Rest. Dazu gab es Seifen und Bürsten mit Eimern. Mit den Bürsten fegten sich die alten Frauen den Rücken und wuschen ihn immer wieder im Eimer aus.
Mit mir hat da drinnen keine einzige Frau gesprochen, alle haben mich nur gemustert. Ich war zwar nicht die einzige Ausländerin, aber viel waren wir nicht.
Gabriel hat mir danach erzählt, dass mit ihm mehrere Männer gesprochen hatten, gefragt hatten woher er kommt und wie lange er da sei. Nach meinem Jahresendgespräch ist mir jetzt bewusst warum mich nur alle komisch angeschaut hatten. Scheinbar muss man in japanischen Spa’s alle Tätowierungen abdecken. Da die Japaner und die Koreaner sich in diesen Dingen sehr ähnlich sind, nehme ich an, dass es daher war.
Nachdem ich schon lange schrumplig war, suchte ich mal nochmals mein Schliessfach und mein Handy auf. Da ich noch immer nichts von Gabriel gehört hatte, kam ich auf die Idee den Flugmodus auszuschalten. Bravo. Da kamen einige SMS von ihm und wir verabredeten uns auf etwas später in der Begegnungszone. Dort konnte man essen, schlafen oder spezielle Räume aufsuchen. Einen gab’s mit heissen Steinen, in die du dich reinlegen konntest. Eine Kammer war wie eine Eishöle, da konnte man sich hinsetzen. Wir probierten ein paar davon aus, manche länger manche kürzer. Gabriel erzählte mir, dass er einen Mann kennen gelernt hat, der jedes Jahr nach Seoul kommt und nie ein Hotel bucht. Er kommt jeweils Abends in dieses Spa, löst ein Ticket und Badet, lässt sich manchmal massieren und legt sich dann in der Begegnungszone zum Schlafen hin. Am nächsten Morgen geht er in die Stadt und tut am Abend das gleiche wieder. 15.- für Spa und schlafen, nicht schlecht. Nur ist der Boden auf dem man da schläft nicht grad der bequemste. Aber für eine zweite Budget Reise überlegen wir es uns vielleicht.

Falls einer von euch mal nach Korea geht, so ein authentisches Spa ist ein Muss. Mehr Kulturschock an einem Abend kann man kaum erleben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.