Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Polen No 1.

Krakau ist super schön, klein aber fein. Zumindest der interessante Kern ist klein. Es wimmelt von Cafés die ab ca. 15 Uhr am Nachmittag zur Bar werden, innovativen und vor allem im Judenviertel, durchgestylten Restaurants. Es wimmelt an Sushi-Läden, was wir bis zum Schluss nicht verstanden hatten, und wir wurden überall sehr freundlich empfangen und assen hervorragend.
Da gab es nur eine Ausnahme an einem Abend als wir uns dann für einen Italiener entschieden hatten, der wahracheinlich keiner war. Eine Köchin belegte im Schaufenster Pizzen und das Lokal war wie üblich sehr modern und gut eingerichet.
Ich hätte eigentlich schon in der Bar, in der wir davor waren aufs Klo sollen. Aus welchen Gründen auch immer ich entschied, das erst beim Italiener zu machen, es war auf jeden Fall ein Fehler.
Wir bestellten unser Essen, erst eine Suppe, dann Pasta. Ich entschuldigte mich bei meiner Freundin, ich sei gleich wieder da und verschwand aufs Klo. Ich musste nur für kleine Mädchen, eine Sache von einer Minute, Händewaschen und zagg ich wäre wieder am Tisch gesessen. Doch was ich nicht wissen konnte war, dass ich nach dieser Minute im Klo die Tür nicht mehr aufbrachte. So schwer konnte es eigentlich nicht sein, da war ein Riegel, den man zum Schliessen nach links dreht. Diesen drehte ich zurück und brachte in in die vertikale Lage und drückte gegen den linken Teil der Tür. Die Tür war eine Art Falttür, wie im Flugzeug, welche ich sowieso hasse. Ich drück immer, statt dass ich zieh, oder umgekehrt. Nun ja, der Vergleich mit dem Flugzeug war dann auch der Grund warum ich dachte, dass ich was falsch mach. Also drückte ich auf der andern Seite, das ging auch nicht. Ok, vielleicht hab ich jetzt wieder verschlossen oder vorher gar nicht abgeschlossen gehabt? Nein. Es ging gar nichts.
So ist es also wenn man eingeschlossen in einem winzigen Raum steht. Zum Glück habe ich keine Klaustrophobie, denk ich, und dennoch rasen mir tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Was mach ich jetzt? Klopfen, „help“ rufen, an die Wand klopfen wo ich die Küche vermute, nochmals help rufen, nichts hat was gebracht. Irgendwann wird mich meine Freundin schon vermissen und schauen kommen ob bei mir alles ok ist. Mitlerweile waren gefühlte 10 Minuten um, aber sie wird sich denken ich müsse gross. Ich lache vor mich hin. Irgendwann denk ich mir: „So, du bist gelernte Hochbauzeichnerin, du verstehst ja sicherlich wie die Tür aufgeht“, und fing an meine Finger oben am Türblatt zwischen Rahmen und Tür zu krallen und an dem Teil, so gut wie möglich, zu ziehen, bei dem ich glaubte er müsse sich nach innen wenden, wenn die Tür aufgeht. Leicht gab sie nach, aber so wenig, dass ich wusste es hat keinen Sinn. Also wartete ich, stehend, weil das Klo keinen Deckel hatte. Bis ich endlich jemanden in den Vorraum kommen hörte. „Hello?“, fragte ich. „Hello!“, kam zurück. „I cant come out, I’m locked in“ – „Oh shit, let me call me somebody from the service“ Kurz darauf wurde ganz einfach die Tür aufgemacht und draussen stand der junge Kerl, der unsere Bestellung entgegengenommen hatte. „Hä? How did this go that easy?“ – „Oh, the handle is missing..“, sagt er verwundert, zuckt mit den Achseln und fügt bei „Well I don’t have any to fix it“
Da war tatsächlich nur der Dorn, sieht aus wie auf einem SBB Klo im Zug, daher hatte ich das wohl nicht gemerkt. „But then everyone after me is getting locked as well?!“ Frag ich ihn emphört, doch es schien ihm egal zu sein. Als ich an den Platz zurück kehrte, war die Suppe schon aufgedeckt und meine Freundin schaute mich perplex an. Sie wunderte sich natürlich wo ich so lange war und warum der Service kommen musste.
Sie meinte nur: „Ich hab mich noch gefragt, ob ich dann echt so komische Geschichten miterlebe, wenn ich mit dir unterwegs bin, mir passiert sowas nie.“

Btw, das Essen war auch nicht grad der Hit und wir beschäftigten uns danach damit, Leute aus dem Klo zu retten, sofern es nicht ihre Freunde dank Whatsapp taten.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.