Bora Weber
Bora Weber

Geschichten aus dem Nachtleben No. 1

Letzten Samstag war ich mit 3 Jungs am Megaloh Konzert im Salzhaus in Winterthur. An der Kasse sass ein Mädchen in meinem Alter und sie hatte auffällig Interesse daran, mir einen Stempel für den Einlass zu verpassen. Vor ihr lagen Couverts mit Pizzastück-Stempeln drauf. Die Jungs vor mir bekamen aber einen Ambossstempel. Wäre mein Pegel nur leicht höher gewesen, hätte ich angefangen zu protestieren, ob ich nicht bitte ein Pizzastück haben könnte, aber ich riss mich zusammen. Stattdessen lächelte sie mich an und streckte mir ein Couvert entgegen, mit eben diesem Pizzastück drauf. Ich strahlte und konnte mein Glück nicht fassen. „Für mich?“, fragte ich. Sie grinste zurück: „Ja, du kriegst 3.50 zurück wegen der Lohngleichheit, es hat auch einen Flyer drin, schau’s dir an.“ Ich nahm es dankend an und stolzierte zu den Jungs. Natürlich wollten sie direkt wissen, was ich bekommen hab und ich öffnete das Couvert: „3.50 wegen zur Ausgleichung der Lohnungleichheit, geil oder?“ Weiter fand ich darin einen an den SGB (schweizerischer Gewerkschaftsbund) adressierter, grafisch schön gestalteter Bierdeckel mit der Aufschrift: Lohngleichheit ist auch dein Bier! Auf der Rückseite befand sich folgender Text, den man unterzeichnen und abschicken konnte:
„Parlamentarier! Lohngleichheit ist auch euer Bier!* 1981 haben die Schweizerinnen und Schweizer die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau in der Verfassung verankert. 37 Jahre später entgehen jeder Frau wegen Lohndiskriminierung jährlich mehr als 7000 Franken. Sorgen Sie endlich für Lohngleichheit. Punkt. Schluss! Mit obligatorischen Kontrollen und Sanktionen.“
Für die 3.50 gab es dann, solange Vorrat und der hat bis zum Schluss des Abends gereicht ein wunderbares IPA, auch für die Männer. Ich war baff. Die Jungs ebenfalls. So eine schöne Aktion. Nicht, weil ich das Gefühl hab an meinem Arbeitsort in Sachen Lohn diskriminiert zu werden, aber darum weil das Thema ernst genommen und so banal vor Augen geführt wird. Was mich aber sehr traurig, wenn nicht sogar etwas wütend gemacht hat, ist, dass wir am selben Abend noch einige halb ausgeräumte Couverts fanden. Was daraus ausgeräumt wurde könnt ihr euch ja denken – der Bierdeckel blieb leider ohne Unterschrift drin liegen. Schade. Wohl mit ein Grund warum es auch 37 Jahre danach noch ist, wie es ist.

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