Bora Weber
Bora Weber

Tokyo 東京

Kurz vorab, ich war bereits das zweite Mal in Tokyo. Allerdings hatte ich im letzten Jahr nicht die Möglichkeit, mich gross allein zu bewegen, da ich geschäftlich gereist und unser Terminkalender sehr voll war. Deshalb schwor ich mir schon damals, dass wenn ich wieder gehen „muss“, ich noch einige Tage an- oder davor hänge. So tat ich es also dieses Mal im November 2019.
Fast jede Reise beginnt irgendwie schon mit dem Buchen der Hotels – da ich alleine unterwegs war, sind Hotels verhältnismäßig teurer als wenn man zu zweit reist. Wahrscheinlich erschienen mir vor allem daher die Preise als sehr hoch in Japan. Um etwas Geld zu sparen, aber auch aus reiner Neugierde und aus Respekt bezüglich den, in Tokyo herrschenden Platzverhältnissen, buchte ich daher für die ersten 3 Nächte dieses Capsule Hotel: Nine Hours Akasaka Es gibt mehrere Nine Hours, ich entschied mich für das in Akasaka, weil ich fand, dass es das schönste ist mit den Pflanzen drinnen und draussen. Ich hatte eine Kapsel im einen reinen Frauenschlag gebucht. Es gäbe auch noch andere Capsule Hotels – in Bibliotheken oder anderen tollen Konzepten – doch die waren entweder ausgebucht oder kamen mir schmuddlig vor auf den Fotos. Das Nine Hours ist nicht unbedingt ein Backpacker Hotel in dem man Leute kennen lernt – es hat keine Gemeinschaftsräume, das ist etwas schade.

Wenn ich Leuten davon erzählte, dass ich in solch einem Hotel übernachten will, war meist ihre einzige Sorge ob ich denn keine Platzangst krieg. Ganz ehrlich? Das Bett / die Kapsel war das Beste am Hotel. Ich fühlte mich da drin richtig wohl. Ich hatte zwar ein Jetlag und konnte daher nicht wirklich schlafen, aber niemals hätte mein Schlafmangel an der Kapsel gelegen. Es gibt allerdings auch negativ zu wertende Punkte. Einerseits muss man jeden Tag die Kapsel räumen und spätestens um 10 Uhr auschecken. Wenn man mehrere Nächte gebucht hat, behält man über die gesamte Zeit den Selben Spind und die Selbe Kapsel, aber man muss dennoch das Hotel um 10 verlassen und kann erst nach 13 Uhr wieder einchecken. Beim einchecken bekommt man täglich eine Tasche mit Pyjama, Zahnbürste, Handtuch und Hausschuhen – immer alles neu. Für mich ist das ein ökologischer Blödsinn. Weiter ist der Spind sehr schmal und wo er steht hat man kaum Platz seinen Koffer zu öffnen. Ich versuchte am ersten Tag alles aus dem Koffer zu nehmen, was ich die Tage benötigte um nicht täglich allen anderen beim Ein- und Auspacken im Weg zu sein. Der Preis ist aber unschlagbar, ich hatte für 3 Nächte JPY 10’035 bezahlt. Umgerechnet waren das 78 CHF – pro Nacht also schlappe 26 CHF.

Da ich noch nie Zeit hatte Tokyo zu erkunden und die Stadt riesig ist, konzentrierte ich mich in den Ersten Tagen auf die linke Seite vom Kaiserpalast (auf der Karte unten schwarz eingekreist). Das Nine Hours ist auf der Karte links unter dem Kreis mit einer gelben Markierung versehen. Das Hotel selbst ist in einem Geschäftsviertel, heisst, es gibt da viele Bars und Restaurants die von Geschäftsleuten mittags oder abends besucht werden. Da mich dies nicht wirklich interessierte verliess ich das Viertel täglich und orientierte mich vorerst an Tips von einem Freund, sowie eigenen Recherchen wo es mir wohl gefallen würde. Einfachheitshalber gliedere ich meine Erfahrungen nach Tagen.

Allgemein nützliche Infos:

  • T Cat – Transfer vom Flughafen in die Stadt
    (Narita oder Haneda) Günstig und einfach und super freundlich.
  • Metro Ticket
    Ich hatte eine Pasmo Karte zum Aufladen vom Geschäft, aber die 24h-72h Tickets sind eigentlich sehr günstig und lohnen sich daher.
  • Tokyo Bike rentals
    Hier kann man Räder mieten und auch gleich Touren buchen damit – oder aber wie ich, einfach selbst die Gegend erkunden. Ich hatte mein Rad allerdings direkt im Hotel buchen können. (siehe Tag 6)
  • Öffnungszeiten von Läden
    Meist ab 10 Uhr bis 20 Uhr oder später oder länger. Wer gern früh aufsteht sollte dann die „nötigen“ Touristenspots abhaken. Allerdings läuft man dann auf die Gefahr hin, in die morgendliche rush hour zu geraten.

Tag 1 – 11.5km zu Fuss
Angekommen im Nine Hours musste ich noch kurz warten, bis ich einchecken konnte und probierte daher im Glitch Coffee direkt neben der Rezeption noch einen Kaffee. Dies war, wie sich später herausstellte, täglich das Auffangbecken all jener, die noch nicht einchecken konnten. Das Personal ist aufgeschlossen und ersetzt ein Bisschen den Fehlenden Gemeinschaftsraum im Hotel. Nachdem ich meinen Koffer in den Spind gequetscht und das nötigste heraus genommen hatte, machte ich mich auf den Weg nach Harajuku – genauer – in die Cat Street. Harajuku ist ein Viertel der Jugend, hier gibt es viel verrücktes zu sehen, ausgefallenes Essen zum Probieren, und viel Blingbling. Mir gefällt hier eigentlich nur die Cat Street und ihre Nebenstrassen besonders gut, der Rest ist mir zu überfüllt und zu hektisch und laut. Am Ersten Tag schlenderte ich allerdings nur ein Bisschen herum und war sehr müde vom Flug. Ich besuche diese Strasse an Tag 4 noch einmal um euch mehr darüber zu erzählen.

Tag 2 – 23 km zu Fuss
Ich bekam von einem Freund unter anderm den Tipp, dass mir das Paddlers Coffee bestimmt gefällt. Da es im Nine Hours kein Frühstück gibt, machte ich mich daher als Erstes auf den Weg dahin. Ich fuhr mit der U-Bahn bis Yoyogi-Uehara und ging ich durch ein Wohngebiet, was richtig gut tat, um sich auf die Japanische Kultur einzustimmen. Auf dem Weg entdeckte ich ein Fenster mit Lederschuhen drin und ging näher um hinein zu schauen. Sogleich kam ein junger Japaner heraus und fragte mich woher ich sei. Er konnte nur wenig English und redete zwischendurch einfach japanisch mit mir. Was ich mitnahm war, dass er ein Schuhmacher sei und hier seine eigenen Schuhe mache. Ich erzählte ihm von meinem Freund der jetzt noch eine Lehre als Schuhmacher macht und er schien so halb zu verstehen und meinte er freue sich mal in die Schweiz zu kommen und ihn kennen zu lernen. Er gab mir einen Flyer mit – obwohl darauf das meiste in Japanisch ist, ist zum Beispiel ersichtlich, dass man an Workshops teilnehmen oder Massschuhe bestellen kann. Mehr dazu hier: Base Works Ich denke allerdings, dass die Kurse nur auf Japanisch sind.

Im Paddlers Coffee angekommen war ich sehr begeistert davon, der Tipp passte wirklich sehr zu mir. Es hingen überall süsse kleine Zeichnungen, alles war in Holz ausgekleidet und es gab einen kleinen Garten davor wo man sich auch hätte hinsetzen können. Zum Frühstück gab es eine Vanilleschnecke und einen super Kaffee, danach schaute ich mir noch den innenliegenden kleinen Shop genauer an. Da gab es Angler-Zubehör zu kaufen, handgemacht aus Bambus und süsse kleine Boxen. Würde mir Angeln was sagen, oder würde ich jemanden kennen der es mag, hätte ich dem fix was mit nach Hause gebracht, einfach weil mir der Ort so gefiel.

Gleich um die Ecke beim Paddlers Coffee gibt es einen süssen kleinen Patisserie Shop namens Equal. Es ist ein reiner Take Away Shop und obwohl die Gegend eine eher ruhige war, hatte es ständig sicher drei Leute die sich anstellten, also tat ich das auch. Ich probierte einen Windbeutel (mit Vanillecréme gefülltes Gebäck) und bereute es, nur einen gekauft zu haben. Der war richtig lecker.

Ich machte mich auf den Weg in Richtung Shimo-Kitazawa und stiess als erstes auf einige Vintage Möbel Läden. Einige waren eher Antiquitätenhändler und einige etwas Hipper mit moderneren Möbeln. Was mich aber weit mehr interessierte waren die Vintage Kleiderläden in diesem Viertel. Hier findet man weniger Markenkleider, viel eher alltägliche Secondhand-Bekleidung. Es lohnt sich aber dennoch zu stöbern – ich verlor mich etwas und merkte erst spät, dass ich eigentlich schon einen riesengrossen Hunger hatte. An einer Ecke fand ich ein Japanisch angeschriebenes Restaurant, bei dem ich nicht wusste, ob sie eine englische Karte haben. Immer wenn man in ein Restaurant geht, wird man gefragt wie viel Personen essen wollen und man hebt die Hand und zeigt die gewünschte Zahl. Dies erleichtert es einem als Tourist wenn man die Sprache nicht kann. Ich wurde an die Bar gesetzt und bekam tatsächlich eine englische Karte und entschied mich für ein Ginger-Pork Set, was sehr lecker war. Nun hatte ich noch etwas recherchiert mit Google Maps um euch den Namen und Standort teilen zu können. Das Restaurant heisst Sankaku und liegt in der: 2 Chome-8-12 Kitazawa (rechtes Foto)

Ich fuhr mit dem Zug bis Yoyogi-kōen und ging von da aus runter bis Shibuya. Unterwegs war ich noch kurz beim Camelback Kaffee. Auf dem Weg runter nach Shibuya hat es sehr süsse kleine Läden von kleinen Marken und kleine Strassen. In Shibuya wollte ich zwei Dinge sehen, die Hachikō Statue und die grosse, berühmte Kreuzung. Das geht Hand in Hand, denn die Statue steht direkt an der Kreuzung. Zum Ersten Mal fühlte ich mich in Tokyo irgendwie fehl am Platz – touristisch – und ich hatte direkt keine Lust mehr Fotos zu machen an diesem Ort. Ich wollte nicht dazu gehören zu all diesen Jägern nach dem besten Foto und zudem würde es auch gar nicht in meine Serien passen, da ich selten Menschen ablichte und das wäre hier definitiv unmöglich. Also entschied ich mich, es einfach zu erleben – diese Kreuzung mit so vielen anderen Menschen zu überqueren. Das Spezielle hier ist eigentlich, dass alle Autos gleichzeitig Rot haben und daher alle Fussgänger aus allen Richtungen zusammen loslaufen können. Die Hachikō Statue kennt man aus dem gleichnamigen Film in welchem ein Akita-Hund sein Herrchen täglich nach der Arbeit vom Shibuya Bahnhof abholt. Nach dem Tod des Herrchens wartet der Hund noch fast 10 Jahre täglich auf sein Herrchen und hofft auf seine Rückkehr. Der Hund wurde national bekannt und seiner Treue wegen, wurde ihm ein Denkmal errichtet.

Von Shibuya ging ich noch weiter bis Daikan-Yama, ein etwas anderes Viertel als Yoyogi-kōen. Hier gibt es Markenläden wie Surpreme, A.P.C., Stussy und nanamica aber auch einen riesengrossen Buchladen namens Tsutaya Books Daikanyama. Der Buchladen war ein Tip von einem Freund und er war so gut, dass ich mehrmals da war. Der Laden besteht aus mindestens 3 Gebäudeteilen und in jedem Teil gibt es verschiedene Themen. Viele Bücher sind auf English, einige aber auch Japanisch und es gibt eine riesige Architektur & Design Abteilung. Da drin vergisst man die Zeit.
Am Abend war ich zum Essen im Harajuku Gyoza Lou und musste mich davor ca. 15 Minuten anstellen. Aber ich war ja alleine und hatte Lust auf gute Gyozas, pan-fried natürlich. Das tolle am alleine Reisen in Japan ist, dass man meist an einer Bar essen kann und die Japaner selbst auch oft nach der Arbeit noch schnell alleine etwas essen. So ist es überhaupt nicht komisch irgendwo allein Essen zu gehen, auch nicht Abends.

Ja, ihr seht es richtig – den Ersten Tag hab ich regelrecht überfüllt – ich wollte überall gleichzeitig hin, alles miteinander erleben. Also machte ich mich nach dem Essen auch noch nicht auf den Heimweg, sondern auf den Weg ins Shinjuku Golden Gai ein kleines Quartier mit noch kleineren Bars dicht nebeneinander. Jede soll speziell sein in Dekoration und Konzept. Ich hatte allerdings Pech – oder Glück – denn genau an diesem Tag war da ums Eck ein Festival Namens tori-no-ichi, daher sollte an diesem Abend nicht viel los sein im Golden Gai. Am Festival hatte es jede Menge Food-Stände an der Strasse und noch mehr Menschen – schade, dass ich meinen Bauch schon mit Gyoza’s überfüllt hatte. Ich hatte wirklich gar keine Lust mehr noch was zu essen, aber es sah alles super lecker aus und duftete auch dementsprechend. Anscheinend besuchen dieses Festival viele Geschäftsleute um Glück fürs neue Geschäftsjahr zu erhalten. Man kauft eine Art Altar und wünscht sich etwas. Dann wird man von den Verkäufern gesegnet indem sie etwas sangen und in die Hände klatschten. Ich fand es sehr interessant die Kultur so nahe zu erfahren und rückblickend find ich es spannend, dass an diesem Volksfest nicht der Alkohol, viel mehr das Essen im Zentrum stand – anders als bei uns.
Ins Golden Gai hab ich’s dann nicht mehr geschafft, das mache ich dann beim nächsten Mal. Auf jeden Fall fuhr die U-Bahn schon nicht mehr als ich mich auf den Heimweg machte und ich musste ein Taxi nehmen. Für ca. 5km bezahlte ich JPY 2’400 (Nachttarif), also ca. 21 CHF.

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