Bora Weber
Bora Weber

Tokyo 東京

Kurz vorab, ich war bereits das zweite Mal in Tokyo. Allerdings hatte ich im letzten Jahr nicht die Möglichkeit, mich gross allein zu bewegen, da ich geschäftlich gereist und unser Terminkalender sehr voll war. Deshalb schwor ich mir schon damals, dass wenn ich wieder gehen „muss“, ich noch einige Tage an- oder davor hänge. So tat ich es also dieses Mal im November 2019.
Fast jede Reise beginnt irgendwie schon mit dem Buchen der Hotels – da ich alleine unterwegs war, sind Hotels verhältnismäßig teurer als wenn man zu zweit reist. Wahrscheinlich erschienen mir vor allem daher die Preise als sehr hoch in Japan. Um etwas Geld zu sparen, aber auch aus reiner Neugierde und aus Respekt bezüglich den, in Tokyo herrschenden Platzverhältnissen, buchte ich daher für die ersten 3 Nächte dieses Capsule Hotel: Nine Hours Akasaka Es gibt mehrere Nine Hours, ich entschied mich für das in Akasaka, weil ich fand, dass es das schönste ist mit den Pflanzen drinnen und draussen. Ich hatte eine Kapsel im einen reinen Frauenschlag gebucht. Es gäbe auch noch andere Capsule Hotels – in Bibliotheken oder anderen tollen Konzepten – doch die waren entweder ausgebucht oder kamen mir schmuddlig vor auf den Fotos. Das Nine Hours ist nicht unbedingt ein Backpacker Hotel in dem man Leute kennen lernt – es hat keine Gemeinschaftsräume, das ist etwas schade.

Wenn ich Leuten davon erzählte, dass ich in solch einem Hotel übernachten will, war meist ihre einzige Sorge ob ich denn keine Platzangst krieg. Ganz ehrlich? Das Bett / die Kapsel war das Beste am Hotel. Ich fühlte mich da drin richtig wohl. Ich hatte zwar ein Jetlag und konnte daher nicht wirklich schlafen, aber niemals hätte mein Schlafmangel an der Kapsel gelegen. Es gibt allerdings auch negativ zu wertende Punkte. Einerseits muss man jeden Tag die Kapsel räumen und spätestens um 10 Uhr auschecken. Wenn man mehrere Nächte gebucht hat, behält man über die gesamte Zeit den Selben Spind und die Selbe Kapsel, aber man muss dennoch das Hotel um 10 verlassen und kann erst nach 13 Uhr wieder einchecken. Beim einchecken bekommt man täglich eine Tasche mit Pyjama, Zahnbürste, Handtuch und Hausschuhen – immer alles neu. Für mich ist das ein ökologischer Blödsinn. Weiter ist der Spind sehr schmal und wo er steht hat man kaum Platz seinen Koffer zu öffnen. Ich versuchte am ersten Tag alles aus dem Koffer zu nehmen, was ich die Tage benötigte um nicht täglich allen anderen beim Ein- und Auspacken im Weg zu sein. Der Preis ist aber unschlagbar, ich hatte für 3 Nächte JPY 10’035 bezahlt. Umgerechnet waren das 78 CHF – pro Nacht also schlappe 26 CHF.

Da ich noch nie Zeit hatte Tokyo zu erkunden und die Stadt riesig ist, konzentrierte ich mich in den Ersten Tagen auf die linke Seite vom Kaiserpalast (auf der Karte unten schwarz eingekreist). Das Nine Hours ist auf der Karte links unter dem Kreis mit einer gelben Markierung versehen. Das Hotel selbst ist in einem Geschäftsviertel, heisst, es gibt da viele Bars und Restaurants die von Geschäftsleuten mittags oder abends besucht werden. Da mich dies nicht wirklich interessierte verliess ich das Viertel täglich und orientierte mich vorerst an Tips von einem Freund, sowie eigenen Recherchen wo es mir wohl gefallen würde. Einfachheitshalber gliedere ich meine Erfahrungen nach Tagen.

Allgemein nützliche Infos:

  • T Cat – Transfer vom Flughafen in die Stadt
    (Narita oder Haneda) Günstig und einfach und super freundlich.
  • Metro Ticket
    Ich hatte eine Pasmo Karte zum Aufladen vom Geschäft, aber die 24h-72h Tickets sind eigentlich sehr günstig und lohnen sich daher.
  • Tokyo Bike rentals
    Hier kann man Räder mieten und auch gleich Touren buchen damit – oder aber wie ich, einfach selbst die Gegend erkunden. Ich hatte mein Rad allerdings direkt im Hotel buchen können. (siehe Tag 6)
  • Öffnungszeiten von Läden
    Meist ab 10 Uhr bis 20 Uhr oder später oder länger. Wer gern früh aufsteht sollte dann die „nötigen“ Touristenspots abhaken. Allerdings läuft man dann auf die Gefahr hin, in die morgendliche rush hour zu geraten.

Tag 1 – 11.5km zu Fuss
Angekommen im Nine Hours musste ich noch kurz warten, bis ich einchecken konnte und probierte daher im Glitch Coffee direkt neben der Rezeption noch einen Kaffee. Dies war, wie sich später herausstellte, täglich das Auffangbecken all jener, die noch nicht einchecken konnten. Das Personal ist aufgeschlossen und ersetzt ein Bisschen den Fehlenden Gemeinschaftsraum im Hotel. Nachdem ich meinen Koffer in den Spind gequetscht und das nötigste heraus genommen hatte, machte ich mich auf den Weg nach Harajuku – genauer – in die Cat Street. Harajuku ist ein Viertel der Jugend, hier gibt es viel verrücktes zu sehen, ausgefallenes Essen zum Probieren, und viel Blingbling. Mir gefällt hier eigentlich nur die Cat Street und ihre Nebenstrassen besonders gut, der Rest ist mir zu überfüllt und zu hektisch und laut. Am Ersten Tag schlenderte ich allerdings nur ein Bisschen herum und war sehr müde vom Flug. Ich besuche diese Strasse an Tag 4 noch einmal um euch mehr darüber zu erzählen.

Tag 2 – 23 km zu Fuss
Ich bekam von einem Freund unter anderm den Tipp, dass mir das Paddlers Coffee bestimmt gefällt. Da es im Nine Hours kein Frühstück gibt, machte ich mich daher als Erstes auf den Weg dahin. Ich fuhr mit der U-Bahn bis Yoyogi-Uehara und ging ich durch ein Wohngebiet, was richtig gut tat, um sich auf die Japanische Kultur einzustimmen. Auf dem Weg entdeckte ich ein Fenster mit Lederschuhen drin und ging näher um hinein zu schauen. Sogleich kam ein junger Japaner heraus und fragte mich woher ich sei. Er konnte nur wenig English und redete zwischendurch einfach japanisch mit mir. Was ich mitnahm war, dass er ein Schuhmacher sei und hier seine eigenen Schuhe mache. Ich erzählte ihm von meinem Freund der jetzt noch eine Lehre als Schuhmacher macht und er schien so halb zu verstehen und meinte er freue sich mal in die Schweiz zu kommen und ihn kennen zu lernen. Er gab mir einen Flyer mit – obwohl darauf das meiste in Japanisch ist, ist zum Beispiel ersichtlich, dass man an Workshops teilnehmen oder Massschuhe bestellen kann. Mehr dazu hier: Base Works Ich denke allerdings, dass die Kurse nur auf Japanisch sind.

Im Paddlers Coffee angekommen war ich sehr begeistert davon, der Tipp passte wirklich sehr zu mir. Es hingen überall süsse kleine Zeichnungen, alles war in Holz ausgekleidet und es gab einen kleinen Garten davor wo man sich auch hätte hinsetzen können. Zum Frühstück gab es eine Vanilleschnecke und einen super Kaffee, danach schaute ich mir noch den innenliegenden kleinen Shop genauer an. Da gab es Angler-Zubehör zu kaufen, handgemacht aus Bambus und süsse kleine Boxen. Würde mir Angeln was sagen, oder würde ich jemanden kennen der es mag, hätte ich dem fix was mit nach Hause gebracht, einfach weil mir der Ort so gefiel.

Gleich um die Ecke beim Paddlers Coffee gibt es einen süssen kleinen Patisserie Shop namens Equal. Es ist ein reiner Take Away Shop und obwohl die Gegend eine eher ruhige war, hatte es ständig sicher drei Leute die sich anstellten, also tat ich das auch. Ich probierte einen Windbeutel (mit Vanillecréme gefülltes Gebäck) und bereute es, nur einen gekauft zu haben. Der war richtig lecker.

Ich machte mich auf den Weg in Richtung Shimo-Kitazawa und stiess als erstes auf einige Vintage Möbel Läden. Einige waren eher Antiquitätenhändler und einige etwas Hipper mit moderneren Möbeln. Was mich aber weit mehr interessierte waren die Vintage Kleiderläden in diesem Viertel. Hier findet man weniger Markenkleider, viel eher alltägliche Secondhand-Bekleidung. Es lohnt sich aber dennoch zu stöbern – ich verlor mich etwas und merkte erst spät, dass ich eigentlich schon einen riesengrossen Hunger hatte. An einer Ecke fand ich ein Japanisch angeschriebenes Restaurant, bei dem ich nicht wusste, ob sie eine englische Karte haben. Immer wenn man in ein Restaurant geht, wird man gefragt wie viel Personen essen wollen und man hebt die Hand und zeigt die gewünschte Zahl. Dies erleichtert es einem als Tourist wenn man die Sprache nicht kann. Ich wurde an die Bar gesetzt und bekam tatsächlich eine englische Karte und entschied mich für ein Ginger-Pork Set, was sehr lecker war. Nun hatte ich noch etwas recherchiert mit Google Maps um euch den Namen und Standort teilen zu können. Das Restaurant heisst Sankaku und liegt in der: 2 Chome-8-12 Kitazawa (rechtes Foto)

Ich fuhr mit dem Zug bis Yoyogi-kōen und ging von da aus runter bis Shibuya. Unterwegs war ich noch kurz beim Camelback Kaffee. Auf dem Weg runter nach Shibuya hat es sehr süsse kleine Läden von kleinen Marken und kleine Strassen. In Shibuya wollte ich zwei Dinge sehen, die Hachikō Statue und die grosse, berühmte Kreuzung. Das geht Hand in Hand, denn die Statue steht direkt an der Kreuzung. Zum Ersten Mal fühlte ich mich in Tokyo irgendwie fehl am Platz – touristisch – und ich hatte direkt keine Lust mehr Fotos zu machen an diesem Ort. Ich wollte nicht dazu gehören zu all diesen Jägern nach dem besten Foto und zudem würde es auch gar nicht in meine Serien passen, da ich selten Menschen ablichte und das wäre hier definitiv unmöglich. Also entschied ich mich, es einfach zu erleben – diese Kreuzung mit so vielen anderen Menschen zu überqueren. Das Spezielle hier ist eigentlich, dass alle Autos gleichzeitig Rot haben und daher alle Fussgänger aus allen Richtungen zusammen loslaufen können. Die Hachikō Statue kennt man aus dem gleichnamigen Film in welchem ein Akita-Hund sein Herrchen täglich nach der Arbeit vom Shibuya Bahnhof abholt. Nach dem Tod des Herrchens wartet der Hund noch fast 10 Jahre täglich auf sein Herrchen und hofft auf seine Rückkehr. Der Hund wurde national bekannt und seiner Treue wegen, wurde ihm ein Denkmal errichtet.

Von Shibuya ging ich noch weiter bis Daikan-Yama, ein etwas anderes Viertel als Yoyogi-kōen. Hier gibt es Markenläden wie Surpreme, A.P.C., Stussy und nanamica aber auch einen riesengrossen Buchladen namens Tsutaya Books Daikanyama. Der Buchladen war ein Tip von einem Freund und er war so gut, dass ich mehrmals da war. Der Laden besteht aus mindestens 3 Gebäudeteilen und in jedem Teil gibt es verschiedene Themen. Viele Bücher sind auf English, einige aber auch Japanisch und es gibt eine riesige Architektur & Design Abteilung. Da drin vergisst man die Zeit.
Am Abend war ich zum Essen im Harajuku Gyoza Lou und musste mich davor ca. 15 Minuten anstellen. Aber ich war ja alleine und hatte Lust auf gute Gyozas, pan-fried natürlich. Das tolle am alleine Reisen in Japan ist, dass man meist an einer Bar essen kann und die Japaner selbst auch oft nach der Arbeit noch schnell alleine etwas essen. So ist es überhaupt nicht komisch irgendwo allein Essen zu gehen, auch nicht Abends.

Ja, ihr seht es richtig – den Ersten Tag hab ich regelrecht überfüllt – ich wollte überall gleichzeitig hin, alles miteinander erleben. Also machte ich mich nach dem Essen auch noch nicht auf den Heimweg, sondern auf den Weg ins Shinjuku Golden Gai ein kleines Quartier mit noch kleineren Bars dicht nebeneinander. Jede soll speziell sein in Dekoration und Konzept. Ich hatte allerdings Pech – oder Glück – denn genau an diesem Tag war da ums Eck ein Festival Namens tori-no-ichi, daher sollte an diesem Abend nicht viel los sein im Golden Gai. Am Festival hatte es jede Menge Food-Stände an der Strasse und noch mehr Menschen – schade, dass ich meinen Bauch schon mit Gyoza’s überfüllt hatte. Ich hatte wirklich gar keine Lust mehr noch was zu essen, aber es sah alles super lecker aus und duftete auch dementsprechend. Anscheinend besuchen dieses Festival viele Geschäftsleute um Glück fürs neue Geschäftsjahr zu erhalten. Man kauft eine Art Altar und wünscht sich etwas. Dann wird man von den Verkäufern gesegnet indem sie etwas sangen und in die Hände klatschten. Ich fand es sehr interessant die Kultur so nahe zu erfahren und rückblickend find ich es spannend, dass an diesem Volksfest nicht der Alkohol, viel mehr das Essen im Zentrum stand – anders als bei uns.
Ins Golden Gai hab ich’s dann nicht mehr geschafft, das mache ich dann beim nächsten Mal. Auf jeden Fall fuhr die U-Bahn schon nicht mehr als ich mich auf den Heimweg machte und ich musste ein Taxi nehmen. Für ca. 5km bezahlte ich JPY 2’400 (Nachttarif), also ca. 21 CHF.

Geschichten aus dem Nachtleben No. 1

Letzten Samstag war ich mit 3 Jungs am Megaloh Konzert im Salzhaus in Winterthur. An der Kasse sass ein Mädchen in meinem Alter und sie hatte auffällig Interesse daran, mir einen Stempel für den Einlass zu verpassen. Vor ihr lagen Couverts mit Pizzastück-Stempeln drauf. Die Jungs vor mir bekamen aber einen Ambossstempel. Wäre mein Pegel nur leicht höher gewesen, hätte ich angefangen zu protestieren, ob ich nicht bitte ein Pizzastück haben könnte, aber ich riss mich zusammen. Stattdessen lächelte sie mich an und streckte mir ein Couvert entgegen, mit eben diesem Pizzastück drauf. Ich strahlte und konnte mein Glück nicht fassen. „Für mich?“, fragte ich. Sie grinste zurück: „Ja, du kriegst 3.50 zurück wegen der Lohngleichheit, es hat auch einen Flyer drin, schau’s dir an.“ Ich nahm es dankend an und stolzierte zu den Jungs. Natürlich wollten sie direkt wissen, was ich bekommen hab und ich öffnete das Couvert: „3.50 wegen zur Ausgleichung der Lohnungleichheit, geil oder?“ Weiter fand ich darin einen an den SGB (schweizerischer Gewerkschaftsbund) adressierter, grafisch schön gestalteter Bierdeckel mit der Aufschrift: Lohngleichheit ist auch dein Bier! Auf der Rückseite befand sich folgender Text, den man unterzeichnen und abschicken konnte:
„Parlamentarier! Lohngleichheit ist auch euer Bier!* 1981 haben die Schweizerinnen und Schweizer die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau in der Verfassung verankert. 37 Jahre später entgehen jeder Frau wegen Lohndiskriminierung jährlich mehr als 7000 Franken. Sorgen Sie endlich für Lohngleichheit. Punkt. Schluss! Mit obligatorischen Kontrollen und Sanktionen.“
Für die 3.50 gab es dann, solange Vorrat und der hat bis zum Schluss des Abends gereicht ein wunderbares IPA, auch für die Männer. Ich war baff. Die Jungs ebenfalls. So eine schöne Aktion. Nicht, weil ich das Gefühl hab an meinem Arbeitsort in Sachen Lohn diskriminiert zu werden, aber darum weil das Thema ernst genommen und so banal vor Augen geführt wird. Was mich aber sehr traurig, wenn nicht sogar etwas wütend gemacht hat, ist, dass wir am selben Abend noch einige halb ausgeräumte Couverts fanden. Was daraus ausgeräumt wurde könnt ihr euch ja denken – der Bierdeckel blieb leider ohne Unterschrift drin liegen. Schade. Wohl mit ein Grund warum es auch 37 Jahre danach noch ist, wie es ist.

Geschichten aus dem Leben, Kapitel St.Gallen No.1

Zur Zeit versuche ich etwas weniger zu planen, einfach zu leben. Dabei entdecke ich so viel schönes, immer und immer wieder. Am Samstag waren wir früh auf, ich und mein Freund, da er nach Zürich musste. Er wohnt auf der einen Seite der Stadt, ich auf der anderen. Dazwischen findet das Stadtleben statt, wie an jeden Samstag zum Beispiel der Wochenmarkt. Ich verabschiedete mich vom Freund, er ging auf den Zug und ich an den Gemüseständen vorbei. Ich brauch grad nichts, weil ich am Nachmittag eh auch in Zürich bin. Viele Leute sind unterwegs und kaufen frische Sachen, doch das bunte Treiben hört auch beim Kloster nicht auf, denn es ist Flohmarkt. „Toll, ich hab ja Zeit“, denk ich mir und steure auf den Ersten Stand zu. Ziemlich bald entdecke ich eine Jeansjacke, kurz geschnitten mit breiten Ärmeln, genau, wie ich sie schon lange will. Die italienische Dame vom Stand meint: „Die kannst du haben für fünf Franken! Ok?“ – „Echt? Mehr als ok.“, strahle ich zurück und mein noch: „Dann behalte ich sie gleich an.“ Fünf Franken, ich schüttle ungläubig den Kopf und lache darüber was für ein Glück ich mal wieder hab. Vor zwei drei Wochen hatte ich ein kleines 60er Jahre Pflanzentischchen einfach geschenkt gekriegt, weils geleimt werden musste.

Ich schlendre weiter, diesmal mag ich mir jeden einzelnen Stand anschauen, vielleicht find ich ja noch was anderes tolles. Der Preis ist nämlich nicht die Hauptursache für mein Strahlen, viel eher das Finden von perfekten Sachen. Und da entdecke ich plötzlich sie, die terrakottafarbene Sitzschale eines Sidechairs von Ray & Chales Eames. Ich traute meinen Augen kaum, als ich den Preis sah. Lächerliche sechzig Franken und der Zustand war auf den ersten Blick hervorragend. Ich machte unauffällig ein Bild, schickte es meinem Freund, der weiss, wie sehr ich mir solch einen Stuhl wünsche, und machte mich sofort auf zum Bankomat. Postwendend kam der Anruf: „Whuuuat? Wo hast du denn den gesehen? Auf dem Flohmi? Den nimmst du oder? Hast ihn reserviert?“ – „Neiiin, aber bin grad am Geld holen, der wird jetzt nicht gleich weg sein?!“ Ich war noch voll im „geniess das Leben und nimm alles wies kommt“-Modus, doch beim Bankomat packte mich plötzlich die Panik, dass das doch jeder blickt und sofort kauft. Sechzig Franken, ein Witz. „Los, los, los!!“ Ich steuerte nervös zurück, zielstrebig, und dennoch erst falsch. Doch zu meiner Beruhigung sah ich die Schale von Weitem. „Die hätt‘ ich gern!“, sagte ich breit grinsend zu dem lässigen jungen Papa hinterm Stand. „Ist aber für eine wide-base, gell?!“ – „Heisst? Für diese Konferenzstuhlbeine?“ – „Ich hatte den auf Ricardo ersteigert und gedacht ich mach ein Schnäppchen, leider war das da nicht deklariert. Nein, nicht die Konferenzbeine, etwas tiefere, so eher Lounge Chair mässig..“ Ich wolle es nochmal schnell mit meinem Freund besprechen, Zeug kaufen was dann nicht funktioniere wolle ich nicht. „Klar“, meinte er „ich komm dir auch gerne noch entgegen.“ Hab ich das richtig gehört? Mein Freund, wie immer positiv: „Nimm ihn, wenn er dir noch entgegen kommt sowieso. Wir finden bestimmt eine Lösung! Bauen wir halt was um..“

Zurück am Stand frage ich den Papa was er denn dafür will. „Vierzig, weiter runter kann ich nicht, dann kannst du ne Base suchen.“ – „Ich nimm ihn!“ Stolz, aber dennoch ungewiss trug ich die Schale heim. Ich hatte Angst, sie würde jetzt Jahrelang irgendwo rum liegen und warten bis ich ne Lösung hab. Doch das Leben meint es gut mit mir. Ich postete meine beiden Schnäppchen in einer Story auf Instagram und es hagelte Kommentare. Einer davon von einem ehemaligen Tinderdate aus Zürich. Er sammelt solche Stühle und wollte alles wissen. Ich erzählte ihm kurz die Geschichte, zeigte ihm den Stempel auf der Unterseite und erhielt schneller Infos als von Google. Zenith wäre der Erste Hersteller der Schalen gewesen, also sei der Stuhl voll alt,  50er-Jahre. Aber das Beste, er hatte noch zwei Bases bei sich rumstehen mit Holzbeinen, wie ich sie immer wollte. Die wären umgebaut, wenn ich wolle könne ich eine oder beide haben. „Echt?? Ich bin Heute sowieso noch in Wiedikon, kann ich sie gleich holen?“ – „Ich hab Nachtdienst, bin da!“ Ab diesem Punkt war ich, das wohl glücklichste Mädchen an dem Tag! Keiner konnte mir jetzt noch die Laune trüben, nicht mal das grässliche Sushi vom Coop. Innerhalb eines Tages, einen sehr alten, gut erhaltenen Eames Sidechair zu ergattern hätte ich mir nicht erträumt. In den Tag leben, Tinder und Instagram sind eben doch nicht so blöd.

 

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Polen No 1.

Krakau ist super schön, klein aber fein. Zumindest der interessante Kern ist klein. Es wimmelt von Cafés die ab ca. 15 Uhr am Nachmittag zur Bar werden, innovativen und vor allem im Judenviertel, durchgestylten Restaurants. Es wimmelt an Sushi-Läden, was wir bis zum Schluss nicht verstanden hatten, und wir wurden überall sehr freundlich empfangen und assen hervorragend.
Da gab es nur eine Ausnahme an einem Abend als wir uns dann für einen Italiener entschieden hatten, der wahracheinlich keiner war. Eine Köchin belegte im Schaufenster Pizzen und das Lokal war wie üblich sehr modern und gut eingerichet.
Ich hätte eigentlich schon in der Bar, in der wir davor waren aufs Klo sollen. Aus welchen Gründen auch immer ich entschied, das erst beim Italiener zu machen, es war auf jeden Fall ein Fehler.
Wir bestellten unser Essen, erst eine Suppe, dann Pasta. Ich entschuldigte mich bei meiner Freundin, ich sei gleich wieder da und verschwand aufs Klo. Ich musste nur für kleine Mädchen, eine Sache von einer Minute, Händewaschen und zagg ich wäre wieder am Tisch gesessen. Doch was ich nicht wissen konnte war, dass ich nach dieser Minute im Klo die Tür nicht mehr aufbrachte. So schwer konnte es eigentlich nicht sein, da war ein Riegel, den man zum Schliessen nach links dreht. Diesen drehte ich zurück und brachte in in die vertikale Lage und drückte gegen den linken Teil der Tür. Die Tür war eine Art Falttür, wie im Flugzeug, welche ich sowieso hasse. Ich drück immer, statt dass ich zieh, oder umgekehrt. Nun ja, der Vergleich mit dem Flugzeug war dann auch der Grund warum ich dachte, dass ich was falsch mach. Also drückte ich auf der andern Seite, das ging auch nicht. Ok, vielleicht hab ich jetzt wieder verschlossen oder vorher gar nicht abgeschlossen gehabt? Nein. Es ging gar nichts.
So ist es also wenn man eingeschlossen in einem winzigen Raum steht. Zum Glück habe ich keine Klaustrophobie, denk ich, und dennoch rasen mir tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Was mach ich jetzt? Klopfen, „help“ rufen, an die Wand klopfen wo ich die Küche vermute, nochmals help rufen, nichts hat was gebracht. Irgendwann wird mich meine Freundin schon vermissen und schauen kommen ob bei mir alles ok ist. Mitlerweile waren gefühlte 10 Minuten um, aber sie wird sich denken ich müsse gross. Ich lache vor mich hin. Irgendwann denk ich mir: „So, du bist gelernte Hochbauzeichnerin, du verstehst ja sicherlich wie die Tür aufgeht“, und fing an meine Finger oben am Türblatt zwischen Rahmen und Tür zu krallen und an dem Teil, so gut wie möglich, zu ziehen, bei dem ich glaubte er müsse sich nach innen wenden, wenn die Tür aufgeht. Leicht gab sie nach, aber so wenig, dass ich wusste es hat keinen Sinn. Also wartete ich, stehend, weil das Klo keinen Deckel hatte. Bis ich endlich jemanden in den Vorraum kommen hörte. „Hello?“, fragte ich. „Hello!“, kam zurück. „I cant come out, I’m locked in“ – „Oh shit, let me call me somebody from the service“ Kurz darauf wurde ganz einfach die Tür aufgemacht und draussen stand der junge Kerl, der unsere Bestellung entgegengenommen hatte. „Hä? How did this go that easy?“ – „Oh, the handle is missing..“, sagt er verwundert, zuckt mit den Achseln und fügt bei „Well I don’t have any to fix it“
Da war tatsächlich nur der Dorn, sieht aus wie auf einem SBB Klo im Zug, daher hatte ich das wohl nicht gemerkt. „But then everyone after me is getting locked as well?!“ Frag ich ihn emphört, doch es schien ihm egal zu sein. Als ich an den Platz zurück kehrte, war die Suppe schon aufgedeckt und meine Freundin schaute mich perplex an. Sie wunderte sich natürlich wo ich so lange war und warum der Service kommen musste.
Sie meinte nur: „Ich hab mich noch gefragt, ob ich dann echt so komische Geschichten miterlebe, wenn ich mit dir unterwegs bin, mir passiert sowas nie.“

Btw, das Essen war auch nicht grad der Hit und wir beschäftigten uns danach damit, Leute aus dem Klo zu retten, sofern es nicht ihre Freunde dank Whatsapp taten.

 

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 5

Von Anfang an war klar, irgendwann werden wir hier in Korea noch die Sauna besuchen. Erstens, weil es hier kaum was kostet und zweitens, weil’s doch irgendiwe zu einem gelungen Urlaub in Asien dazu gehört. Wir waren zurück in Seoul und machten uns auf die Suche nach einem guten Spa. Wir fragten unseren Host, der selbst geht nicht ins Spa und hat uns das nächste, gegenüber in einer Mal empfohlen. Nur weil’s nah ist, muss es noch lange nicht gut sein. Also suchten wir weiter. Die Trip Adviser Berichte waren teils miserabel bis schon wieder so lustig, dass es ein Versuch Wert wäre.
Zudem muss ich euch vielleicht noch sagen, dass mir mein Kollege Gabriel De Sønar dieses Video zeigte:
https://www.youtube.com/watch?v=k70xBg8en-4
Wir fanden das so lustig, dass wir unbedingt ein authentisch koreanisches Spa besuchen wollten, bis wir irgendwann eines fanden. Es sah auf den Bildern etwas herunter gekommen aus, aber bat alles, was wir wünschten inkl. body scrub. Wir fuhren also dahin, umgerechnet 15.- CHF war der Eintritt am Abend und man konnte so lange drin verweilen wie man wollte. Da Männlein und Weiblein nach dem bezahlen getrennt werden, machten wir aus, dass wir uns in 10min in der Begegnungszone treffen.
Als ich bei den Damen herein spazierte, kam schon das erste Schildkrötchen (alte Leute, nannten wir so) mit wehenden Armen auf mich zugerannt und schrie mir irgendwas auf koranisch entgegen. Ich blieb verdutzt stehen und schaute sie fragend an. Sie zeigte auf meine Füsse und zeigte ein X mit ihren Armen. Kaum hatte ich die Schuhe ausgezogen waren sie in einem kleinen Schliessfach verstaut und das Schildkrötchen drückte mir den Schlüssel in die Hand und führte mich zu einem Tresen. Dort standen zwei andere Schildkrötchen und diskutierten miteinander. Die eine nahm beiläufig meinen Schlüssel, tauschte ihn gegen einen anderen aus und reichte mir eine Hose, ein Shirt und zwei kleine Tücher und zeigte in die Richtung von grossen Schliessfächern. Ich suchte meins und zog mich aus und schlüpfte in die geliehenen Kleider. Dann machte ich mich auf die Suche nach der Begegnungszone. Dort war allerdings kein Gabriel also setzte ich mich und wartete. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging ich zurück und holte mein Handy, WLAN vorhanden, und schrieb ihm wo er denn bleibt. Was ich nicht beachtet hatte, ich hatte den Flugmodus drin, braucht mich ja keiner anzurufen. Tja. Gabriel kam nicht, also entschied ich ganz egoistisch die Bäder vor zu ziehen. Vielleicht hatte ich ihn ja falsch verstanden.
Ich ging direkt mit den Kleidern nach unten, drinnen waren alle nackt. Ok, denk ich mir und zieh mich aus und quetsche meine Sachen in ein kleines Fach im Regal. Da waren keine anderen Kleider drin, nun ja, egal – Hauptsache ich bin jetzt nackt wie alle andern Frauen. Es hatte verschiedene Bäder, 35° / 45° und mehr, dann ein kaltes, eines mit Sprudel, ein Wasserfall zum drunter sitzen, und Saunen eine heiss, die andere heisser. In der Sauna musste man sich selber mit Salz einreiben. Ich hielt es da drin jeweils nur ein paar Minuten aus, danach besuchte ich jeweils das kalte Wasser. Es gab auch Duschen, in Kreisen angeordnet und keine einzige war irgendwie abgeschirmt vom Rest. Dazu gab es Seifen und Bürsten mit Eimern. Mit den Bürsten fegten sich die alten Frauen den Rücken und wuschen ihn immer wieder im Eimer aus.
Mit mir hat da drinnen keine einzige Frau gesprochen, alle haben mich nur gemustert. Ich war zwar nicht die einzige Ausländerin, aber viel waren wir nicht.
Gabriel hat mir danach erzählt, dass mit ihm mehrere Männer gesprochen hatten, gefragt hatten woher er kommt und wie lange er da sei. Nach meinem Jahresendgespräch ist mir jetzt bewusst warum mich nur alle komisch angeschaut hatten. Scheinbar muss man in japanischen Spa’s alle Tätowierungen abdecken. Da die Japaner und die Koreaner sich in diesen Dingen sehr ähnlich sind, nehme ich an, dass es daher war.
Nachdem ich schon lange schrumplig war, suchte ich mal nochmals mein Schliessfach und mein Handy auf. Da ich noch immer nichts von Gabriel gehört hatte, kam ich auf die Idee den Flugmodus auszuschalten. Bravo. Da kamen einige SMS von ihm und wir verabredeten uns auf etwas später in der Begegnungszone. Dort konnte man essen, schlafen oder spezielle Räume aufsuchen. Einen gab’s mit heissen Steinen, in die du dich reinlegen konntest. Eine Kammer war wie eine Eishöle, da konnte man sich hinsetzen. Wir probierten ein paar davon aus, manche länger manche kürzer. Gabriel erzählte mir, dass er einen Mann kennen gelernt hat, der jedes Jahr nach Seoul kommt und nie ein Hotel bucht. Er kommt jeweils Abends in dieses Spa, löst ein Ticket und Badet, lässt sich manchmal massieren und legt sich dann in der Begegnungszone zum Schlafen hin. Am nächsten Morgen geht er in die Stadt und tut am Abend das gleiche wieder. 15.- für Spa und schlafen, nicht schlecht. Nur ist der Boden auf dem man da schläft nicht grad der bequemste. Aber für eine zweite Budget Reise überlegen wir es uns vielleicht.

Falls einer von euch mal nach Korea geht, so ein authentisches Spa ist ein Muss. Mehr Kulturschock an einem Abend kann man kaum erleben.

 

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 4

Nach unserem Aufenthalt in Busan reisten wir nochmals zurück nach Seoul. Nun war uns die Stadt bekannt und es fühlte sich ein Bisschen an wie heimkommen. Wir wollten diesmal aber auch noch etwas von der Natur sehen. Also suchte ich eine Wanderung heraus die nicht all zu lang war, 2.5 km, eigentlich eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Aber die Dauer war mit 3h angegeben, dass diese Wanderung einen Haken hatte, hätte mir da schon auffallen sollen.
Der Trail war in einem, vom Militär überwachten Gebiet, da er entlang der alten Stadtmauer führte. Nachdem wir uns mit unserem Pass in einem Office registriert, einen Fackel unterzeichnet, ein Band mit Nummer umgehängt bekommen hatten und noch kurz das Klo aufsuchten, ging es los. Eine Treppenstufe nach der anderen. St.Galler Treppen sind ein Witz dagegen. Erst fanden wirs noch lustig wie steil und ungleichmässig hoch die Tritte waren und wie fertig wir danach wohl sind. Aber als sie dann kein Ende nahmen und wir mehr schwitzten als in der Sauna am Abend davor (davon folgt noch eine Geschichte), läuteten wir beide beim ersten Aussichtspunkt eine Pause ein. Dieser wurde, wie jeder Rastplatz, bewacht von einem, bis zwei in „zivil“-gekleideten Soldaten. Sie hatten einen Sonnenhut auf, wie damals Eminem in den 90ern, nur mit einer Schnur um den Hals wie ein Kleinkind. Dazu Funktionswäsche in grau, denn auch sie kamen hier nur zu Fuss hin und wieder weg. Sie bewachten die Plätze, denn es war so einiges verboten. Auf der Treppe durfte nicht stehen geblieben werden, da der Weg zu schmal ist, dass man aneinander vorbei kommt. Auch durfte man keinen Alkohol trinken. Wer will das schon, lachten wir, ist doch ohnehin schon viel zu streng, doch es gab tatsächlich ältere Herren, die zu ihrem Picknick den Soju und Bier auspackten.
Fotos durfte man nur in die freigegeben Richtungen machen und auch nur an den Aussichtspunkten und nicht unterwegs. Richtung Seoul war eigentlich immer verboten, wahrscheinlich weil man da auf die Mauer zurück blicken konnte. Wir allerdings, waren ständig unter Beobachtung von unzähligen Kameras, auf dem Weg, sowie an den Rastplätzen.
Wir wanderten weiter bis ans Ende der Steigung, wo wir die Sicht über ganz Seoul hatten. Wir assen da, mit hochroten Köpfen und komplett nass geschwitzt einen Apfel, als ein junger Herr mit einem älteren dazu stiess. Sie machten Fotos wo sie durften und kamen dann auf uns zu und fragten ob wir ein Foto machen würden? Ich dachte von ihnen mit schönem Hintergrund und streckte ihm die Hand hin um das Handy zu nehmen. „Nein, nein, wir mit euch auf einem Bild.“, Meinte er in English und streckte dem Bewacher das Handy hin. Achso, na klar, von verschwitzen und durchnässten Europäern muss man ja auch unbedingt ein Bild haben. Wir stellten uns neben ihnen auf und lächelten von alleine. Noch eins, noch eins, aber diesmal mit „love pose“. Ähm, ok, was soll das sein? Der junge Mann zeigte seine Hände mit der Innenfläche nach oben und die Daumen und Zeigefinger so übereinander gelegt, dass die Spitzen kleine Herzen formten. Wir taten das selbe und versuchten angestrengt beide Hände so zu lassen, wärend uns der Militärler gekonnt in Hoch- und Querformat ablichtete. Wir bedankten uns alle für seinen Einsatz und die anderen Zwei wollten jetzt noch wissen wo wir eigentlich her sind. Aus der Schweiz? Oh wirklich? Stolz zeigte uns der jüngere seine Uhr: „Swiss watch, swiss watch!“ Wir lächelten, etwas zwischen mittleidig und gerührt, denn seine Uhr hatte ein rotes Ziffernblatt mit einem kleinen weissen Kreuz in der Mitte und das Band war geziert mit Edelweissen. Wahrscheinlich hatte er Sie auf einem Berg gekauft im Souveniershop. Aber das weiss hier ja keiner, immerhin ist sie offensichtlich aus der Schweiz.
Leider hatten wir, vor lauter Rührung total verschwitzt auch von ihnen ein Bild zu machen.

 

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 3

Nach ein paar Tagen in Seoul sind wir weiter nach Busan gereist, welches auch das Hamburg von Korea genannt wird. Naja, wer Hamburg liebt und mit damit im Hinterkopf nach Busan reist, ist dann gänzlich enttäuscht. Busan ist komisch. Oder wir haben es einfach nicht verstanden. Aber wir sind dort, gefühlt, mehr U-Bahn gefahren als wir geschlafen haben. Einerseits, weil die Strecken zwischen den Stadtteilen so lang sind und andererseits weil wir die Viertel nicht kannten wie in Seoul. Aber Busan war dennoch sehr interessant, vor allem weil es weniger amerikanisch und deshalb auch weniger touristisch war. Fast jedes mal auf längeren U-Bahnstrecken wurden wir angesprochen und immer gefragt woher wir sind und ob wir verheiratet sind. Wie man als Freunde, Männlein und Weiblein verreisen und kein Paar sein kann, war den Meisten ein unbeschreibliches Rätsel. So war da zum Beispiel ein älteres Päärchen bei welchem der Herr laut lachte als er das hörte. „Haha! Just friends? Me and my wife are just friends…Since 36 years!!“
An einem Tag fuhren wir ins Culture Village am Rande der Stadt. Es war warm und stickig, also trug ich ein Trägershirt mit einem leichten Kurzarmjäckli. Dies tat ich ein Bisschen meiner Tattoos wegen, doch half es leider nichts, als ich mich in der vollen U-Bahn an der Deckenstange halten musste. Vor mir sass eine alte Frau, eine der wenigen, die ihr Haar ungefärbt, grau trug. Sie musterte mich, dann Gabriel, dann wieder mich. Plötzlich zeigte sie auf meinen tättowierten Arm, so nah, dass sie ihn fast anfasste. Sowas hasse ich ja. Sie verzerrte ihr Gesicht und hämmerte mit der einen Hand auf ihren anderen Unterarm. Ein „Aiaiaiaiai“ fährt ihr aus dem Mund und sie schaut mich fragend an: „Hurt? Aiaiai!“ Ihr Gesicht wird beinahe weinerlich. Ich lache und mich stört es plötzöich nicht mehr, dass sie mich fast abgefasst hätte. „No no, not that much, only this part.“ Ich zeige auf die schwarz schraffierte Fläche und grinse die Dame an. Sie lächelt zurück und mustert uns weiter. Von Kopf bis Fuss. „Where from?“ Fragt sie und zeigt auf uns beide. „Married?“ Und schliesslich noch: „Where going?“
Wir versuchen ihr zu erklären, wohin wir gehen, Culture Village sagt ihr nichts, farbige Häuser auch nicht. Drei Mädchen die neben ihr sitzen, bekommen unser „Gespräch“ mit und suchen es auf ihrem Smartphone und zeigen es ihr. „Aaaaaaah“, sie strahlt uns an und in dem Selben Moment muss ihr entfallen sein, dass wir kein Korenisch verstehen, oder ihr sind die englischen Wörter ausgegangen. Auf jeden Fall zeigte sie nach unten und meinte irgendwas auf koresnisch von wegen wir sollen nicht nach unten schauen, oder das verstanden wir aus ihren Fuchteleien. In die Weite, sie zeichnete einen riesen grossen Bogen in die Luft und strahlte über alle sieben Backen wärend sie ihre Hand an ihre Stirn hielt, als ob sie geblendet würde. Wir konnten nicht anders als zurück zu strahlen, es war alles unfreiwillig komisch. Als wir dann ausstiegen uns uns nickend mit Knicks vor ihr verabschiedeten, packte sie mich beim weggehen am Arm und sagte irgendwas auf Koreanisch. Legte ihre Hand aufs Herz und wikte uns, wahrscheinlich glückwünschend, zu. Wir wissen es nicht, aber sie war direkt wie eine eigene koreanische Oma.

 

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 2

AirBnB für Anfänger. (mit Gabriel De Sønar)
Wir hatten unser erstes AirBnB direkt an der Gongdoek Station in Seoul, ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof. Unsere Gastgeberin war Lilly, die in Wahrheit wohl einen äusserst typisch koreanischen Namen trägt, sich aber intenational einfachheitshalber lieber Lilly nennt. (Random fact: Auch die Chinesen suchen sich jeweils noch einen englischen Vornamen aus, vor allem dann, wenn sie mit dem Rest der Welt zusammen arbeiten.) Da wir vor unserer Reise rätselten ob diese Wohnung ein Fake und Lilly ein alter, behaarter, dicker Mann ist, war unser Anfang etwas schwer. Das Appartment war gerade mal ein Monat online als wir buchten, hatte vier äusserst positive Bewertungen, zwei davon auf Koreanisch, dreien gab Lilly eine äusserst schleimige Bewertung zurück und im Titel stand, dass man lediglich 30 Sekunden zum Ubahn-Eingang hätte, die Adresse wurde bei Google nicht gefunden und die Fotos könnten gerade zu auch ein hervorragendes Rendering sein.
Wir fanden die Adresse dann aber in echt, war tatsächlich in Stolpernähe, und gingen drinnen zum Portier, dieser zeigte uns den Lift und wir suchten die Wohnung auf. Per Mail hatte ich einen Zahlencode bekommen, den wir vor der Anreise noch ändern liessen, da er 77777777 lautete und uns das erneut komisch vorkam. Da standen wir mit unseren beiden riesigen Taschen vor der Tür 430, schauten einander an, dann die Tür, wieder einander, dann alle anderen Türen im Gang und wieder einander. Echt jetzt? Alle anderen Türen waren mit einem drehbaren Zahlenschloss ausgestattet, nur unsere nicht. Da war eine schwarze Fläche überm Griff mit einem kleinen Kartensymbol welches sogar noch mit „card“ beschriftet war. „Also doch ein Fake – Scheiss Lilly!“
„Nur keine Panik jetzt, wir sind müde von der Reise, es ist zum Glück erst Mittag und wahrscheinlich sind wir einfach nur zu blöd“, beruhige ich mich selbst, nimm meine Tasche am Griff und wir schlendern etwas verloren und vorallem wortlos zurück zum Lift. Wir beide fragen uns wahrscheinlich genau die selben Fragen und erst als die Lifttür schliesst sprechen wir einige davon laut aus: „Und jetzt? Zum Portier?“ „Briefkasten? Vielleicht ist die Karte da?“ „Ansonsten was essen mit WLAN und der doofen Lilly schreiben?“

Im Briefkasten war nichts ausser Post die nicht an uns adressiert war. Der Portier zeigte mit den Armen ein X, als wir ihn auf englisch nach ner Karte für das Appartment von Lilly fragten. Wir lachten über das X und er rief einen zweiten Security herbei. Dieser sprach ein kleines Bisschen Englisch und wollte von uns den Zimmercode wissen. Als wir nach 4 stellen weiter 4 weitere aufzählten, machte auch er mit seinen Armen ein X. Er streckte 4 Finger in die Luft und liess uns erahnen, dass da 4 Ziffern zu viel dran waren. Na super. Aber eigentlich suchen wir ja sowieso eine Karte. Hat Lilly keine hinterlegt?
Plötzlich springt ein Securty raus und kommt mit einer Frau koreanisch diskutierend zurück. Sie spricht beinahe fliessend Englisch, zumindest verglichen mit den andern zwei. Ich zeige ihr den Beschrieb von Lilly. Sie versteht auch nicht, vorallem dann nicht, als wir ihr sagten, dass es kein Zahlenschloss gibt. Sie nimmt uns mit in ihr angrenzendes Restaurant, WLAN und ein Glas Wasser – endlich. Ich schreib Lilly, etwas wütend und genervt mitlerweile. Diese fragt ganz cool, ob wir vor der Tür stehen? Wir sollen die Hand ein, zwei Sekunden auf die schwarze Fläche halten, dann erscheine ein Touchscreen-Zahlenschloss. Wir waren definitiv zu blöd, danke Lilly du hübsches koreanisches Mädchen ohne Wampe oder Brustbehaarung.

Geschichten aus dem Leben, Kapitel Reisen in Korea No 1

Ich werde in den kommenden Wochen einige Geschichten in dieses Kapitel einreihen. Einerseits, weil so viele von euch gefragt habt warum genau Korea, andererseits weil wir selbst nicht vergessen wollen, was wir erlebt haben. Einiges wird schwierig wieder zu geben, weil es wohl für uns in dem ganzen Kuchen drin viel absurder war, als wenn ihr es hier nachliest. Aber ich gebe mir natürlich Mühe es euch auch zum Erlebniss zu machen.
Gereist bin ich mit einem Freund von mir, Gabriel De Sønar, zum ersten und hoffentlich nicht zum Letzten mal.

Wir reisten zuerst nach Seoul, welches an den meisten Flecken recht sauber ist und das obwohl wir jedesmal Stundenlang unseren Müll rumtragen mussten, bis wir an einer Ubahnstation einen von zwei Abfalleimern gefunden hatten. Wie die das machen, blieb uns bis zum Schluss ein Rätsel. Denn der Klischee „Seoulaner“ trägt einen Smoothie- oder Bubbletea-Becher mit sich rum, fischt sich während dem Gehen, schmatzend noch die letzten Essensreste aus den Zahnlücken und spuckt neben dir auf den Boden. Er geht spätestens abends in die Spielhalle ein paar Tiere fischen, trägt ein Commes de Garcon Shirt und ist Mitglied einer Street-boy-dance crew. Die Klischee „Seoulanerin“ schminkt sich, vor, nach und während dem Essen/Date, in der Ubahn, am Tisch, beim Gehen, eigentlich egal wo. Sie macht Selfies mit allem was sie sich leckeres kauft, Rosenglace, halbmeter Softeis oder fluffy Brot. Sie trägt ein oversized Shirt und kurze Hosen oder Minirock.
Und sie alle sind auf einem Date, man sieht kaum Freunde miteinander essen, fast ausschliesslich Päärchen. Deshalb war es wohl dann auch für alle so unverständlich, dass wi zwei „nur“ Freunde sind. Aber dazu mehr in anderen Geschichten.
Die Menschen in Seoul haben grundsätzlich einen Stress, chillen es aber auch immer wieder hart, z.B. auf der Rolltreppe oder in der Ubahn um danach wieder wie ein Duracellhäsli davon zu speeden.
Aber – wir beide haben noch nie ein so freudliches und hilfsbereites Volk gesehen – und sooo härzig sind sie. Freut euch auf mehr.